about drawings
texts about my work by others (engl / deutsch):
Redefining Difference - In my own words...
Balmoral km 500#2 aus dem Jahrbuch 2008/2009
Die Präsentation der Kunst Ins A Krommingas bedingt in der Regel räumliche Installationen in Form von Malereien auf der Wand, auf der Zeichnungen und Aquarelle verschiedener Größen kombiniert werden. Diese Arbeiten, die im Bereich der „abject art“ angesiedelt werden können, zeugen in verstörenden Bildern von der Zurichtungspraxis an intersexuellen Menschen und weisen auf die nach wie vor klaffende Leerstelle für nonkonforme Geschlechterkonstrukte in der Gesellschaft hin. In seiner_ihrer Installation in Balmoral taucht ein Schriftzug an der Wand auf, der eine Passage aus Ovids Metamorphosen zitiert: Es ist die Geschichte von Hermaphroditus und der Nymphe Salmakis, die vom Mythos der Entstehung der Hermaphroditen berichtet. Der Jüngling Hermaphroditus befindet sich auf Wanderschaft und beschließt, in einem Gewässer zu baden. Salmakis, die in diesem Wasser wohnt, entbrennt in Liebe zu ihm und versucht, den Jüngling zu becircen. Als dieser sich ihr widersetzt, umschlingt sie ihn mit ihrem Körper und bittet die Götter darum, ihre beiden Körper zu verschmelzen. Dieser Wunsch wird erhört, und so entsteht nun ein Doppelwesen, zwei Personen in einer.
Die erzählerischen Bilder des Umschlingens der Körper, bei denen Ovid Vergleiche wie die Greifarme eines Kraken heranzieht, übernimmt Kromminga in der Wandgestaltung der Installation. Die bildliche Assoziation zu Schnecken und Regenwürmern drängt sich dabei auf, Beispiele für das natürliche Vorkommen von Zwittern. Sowohl die Erhöhung des Hermaphrodismus bei Ovid als auch die „Verdammung“ desselbigen als abnorm und monströs durch die Naturwissenschaft schaffen eine Distanz, die zur Objektivierung führt und so einen Kontakt auf Augenhöhe verhindert. Mythologische Gestalten, Metamorphosen zwischen Mensch und Alien in den Zeichnungen Krommingas zeugen von der Andersartigkeit, die zu normieren die Gesellschaft bis heute bestrebt ist.
Diesem Akt der Gewalt setzt sich nun eine Rebellion entgegen: In diesem Sinne ist das Cover seines_ihres Kataloges mit dem sprechenden Titel Payback Time zu lesen: Das vermeintliche Mädchen, mit den behaarten Beinen als sexuell nicht normkonform markiert, ist im Begriff, Bomben auf das Hospital zu werfen, das durch Operationen und zweifelhafte medizinische Behandlung seine geschlechtliche Identität zu bestimmen versuchte.
Rainer Hoffmann Künstlerhaus Schloss Balmoral
Gewoon Anders - Just Different - Cobra Museum Amstelveen (Amsterdam NL 2008)
The Myth of Two Sexes drawings/Installation
Ins A Kromminga wordt gedreven door de vraag waarom de samenleving mensen indeelt in termen van ‘normaal’ en ‘afwijkend’. Het denken in arbitraire categorieën is gericht op het uitsluiten van mensen die niet aan de norm kunnen (of willen) voldoen. Wat doorgaat voor ‘normaal’ is eigenlijk volslagen waanzinnig volgens Ins A Kromminga. Door middel van satirische en sarcastische tekeningen ingebed in een wandinstallatie stelt de kunstenaar de constructie van sekseclassificatiesystemen en het gebruik van labels als ‘anders’, ‘vreemd’ en ‘monster’ aan de orde. Bij de artistieke benadering van interseksualiteit maakt Ins A Kromminga op een geestige manier gebruik van de natuur, de medische wetenschap, fantasie en culturele opvattingen.
From the website www.cobra-gewoonanders.nl
normal love - Künstlerhaus Bethanien / Studio 1 Berlin 2007
abject careers drawings/Installation
Ins A Kromminga (...) takes up the shift of social problems, constraints, and inequalities into requirements made of individuals in this installation. How do categorizations, used when looking for a job or at the work place, force individual solutions for social contradictions? How can the required „truth about oneself“ be spoken while simultaneously fulfilling the everyday madness of classification into one of precisely two genders: check the „right“ box, choose one form of address, look for the right toilet, be „open“ to colleagues and bosses? Through the combination of image and text in the drawings, the required categorization and the seemingly irrefutable power of vision are carried on ad absurdum. The sober and simple text - such as „Dies ist sicherlich ein Ausschlusskriterium“ („This must be a criterion for rejection“) suggest that the situation created can be taken at face value, that and why it veers from the norm, and the consequences it calls for. The seemingly naturalistic image, however, troubles the self-evident coupling of seeing and knowledge. The spectator is moved to the point of asking: What is this actually? - at least when s/he admits that the „position of knowledge“ derived from the text will not help them anymore.
From the catalogue „normal love“ b_books 2007 Page 92-93
The Eighth Square - Museum Ludwig, Köln 2006
(...)Ins A Kromminga has extended the pictograms affixed to lavatory doors to include a sign for hermaphrodites, thus tripping up the self-evident manner in which society labels by sex and gender.
From the catalogue „The Eighth Square“ Museum Ludwig 2006, Seite 22/23
Madonna - Kunsthaus Dresden 2005
Während in der Mode androgyne Körper mit periodischer Wiederkehr als lebbar veranschaulicht werden, gehört Zweigeschlechtlichkeit nicht nur in der Kunst zu den per Tabu ausgeschlossenen und damit nicht entzifferbaren Körperbildern, die nur mühsam durch ein tägliches Durchbrechen der Bestimmungen gelebt werden können. In den Zeichnungen von Ins A Kromminga mit ihrer Darstellung intersexueller Körper und Identitäten (...), lässt sich ahnen, was Judith Butler meinen könnte, wenn sie von 'Körpern von Gewicht' spricht und von anderen „ausgeschlossenen, nicht entzifferbaren Bereichen", die „undenkbar, verworfen, nicht-lebbar" scheinen, also nicht „in derselben Weise Gewicht haben".
Christiane Mennicke, 2005 Kunsthaus Dresden im Katalog zur Ausstellung „Madonna“ Seite 6
Die Verkündigung - Installation
Ein blauer Streifen, der sich über die Decke des Raumes spannte, ließ an das himmlische Blau des Mantels der biblischen Madonna denken. Darauf gezeichnete Strukturen in Gold bezogen sich auf naturhafte Strahlen und Himmelserscheinungen. Derdie in Berlin lebende Ins A Kromminga greift in ihrenseinen Zeichnungen verschiedene Traditionen auf: Naturstudien kommen in den zu dichten Clustern gehängten Zeichnungen ebenso vor wie Organdarstellungen und anatomische Figurationen aus der Medizin, storyboard-artige Bilderzählungen und Darstellungen von Darth Vader und Oskar Wilde. Die klassische Antike und griechische Mythologie wird in der Darstellung eines Hermaphroditus gleichermaßen zitiert wie bei den geflügelten Zwitterwesen und anderem Fabelpersonal, welches von der damaligen 'Wissenschaft' konstruiert wurde. So greift Kromminga in ihrenseinen Zeichnungen unter anderem auch das 'Monster von Ravenna' auf, eine aus medizinischen und mythologischen Komponenten bestehende Abbildung aus dem 15. Jahrhundert. Die Arbeiten beschreiben die Spannungen zwischen einer kulturell auf eindeutige Geschlechter festgelegten Gesellschaft und deren Überschreitung durch hermaphroditische Identitäten. Ermächtigt durch den Fortschritt in der Medizin des vergangenen Jahrhunderts, glaubt die Wissenschaft, Körper eindeutig festlegen und normieren zu können. Kromminga verweist in den Zeichnungen unter anderem auf eigene traumatische Erfahrungen eines Geschlechts, das per Verordnung mittels Hormonbehandlungen und operativen Eingriffen medizinisch umgesetzt wird. Kromminga zeigt mit durchaus aufklärerischen Ansatz intersexuelle Körper und Identitäten als positiven Reichtum der Natur, aber auch die polarisierende Zurichtung durch die Gesellschaft, die diese alienisiert und juristisch nicht anerkennt.
Aus dem Katalog „Madonna“ Kunsthaus Dresden 2005 Seite 98
1-0-1 [one ó one] intersex - NGBK Berlin, 2005
ZWiTtER
Derdie KünstlerIn Ins A Kromminga (...) verbindet romantisch-ironische Bildwelten von „Monstern", „Helden" und „Mutanten" mit der kritischen Reflexion von medizinischen und gesellschaftlichen Kontrolltechniken. Arbeiten wie Phallometer (2002) konfrontieren die Instrumente der Genitalvermessung mit drastischem Bildmaterial von einem für die Untersuchung stillgestellten Kinderkörper mit Kommentaren, welche die Intoleranz der Messenden gegenüber Menschen mit abweichenden Maßen auf den Punkt bringen.
Ins A Kromminga beschäftigt sich mit Mitteln der Zeichnung, Montage und Installation mit den medizinischen Bildern und den pathologisierenden Beschreibungen von lntersexualitäts-„Syndromen"[*]. Kleinformatige Skizzenblätter, in mehrerlei Hinsicht bearbeitet und ungerahmt auf einer farbig grundierten Wand in Beziehung zueinander gesetzt, ermöglichen durch die narrative Qualität der Bilder und der Präsentationsform den Betrachterinnen weit mehr Annäherung an und Auseinandersetzung mit Intersexualität / Hermaphroditismus als die „Vor-Bilder" z.B. in medizinischen Publikationen oder Vorträgen. Es gibt m.E. wenig visuelle Repräsentationsformen, die in ähnlicher Weise die Grenzen der Scham und Würde der dargestellten Menschen verletzen und zugleich das Schmerzempfinden sowie die ethischen Vorstellungen der Betrachterinnen auf die Probe stellen wie medizinische Intersex-Fotografien[**]. Solche Bilder sind im Zusammenhang ihrer originären Nutzung kaum bzw. nur abgestumpft zu ertragen. Eine Abstumpfung, die im Feld der medizinisch-naturwissenschaftlichen Intersexualitätsforschung durch permanente Wiederholung, Objektivierung und Anonymisierung erreicht wird.
Kromminga setzt diesem herrschenden Bilderregime in der Ausstellung eine Installation aus zerbrochenen Spiegelstücken entgegen, die das Wort "Zwitter" zu lesen gibt. Lichtreflexe auf dem Schriftzug erzeugen den wässrigen, flirrenden Effekt einer Diskokugelspiegelung. Derdie BetrachterIn sieht sich ihremseinem kaleidoskopischen,„gezwitterten" Selbstbild gegenüber oder blinzelt in das Licht.
Bei der glitzernden Zwitterschrift geht es darum, den vormals abwertenden Begriff positiv zu besetzen. Eine solche identitätsstiftende wie subversive Neubesetzung (ähnlich wie in verschiedenen Bewegungszusammenhängen mit den Begriffen „schwul", „queer",„dyke",„bitch",„gangsta", „Krüppel" geschehen) des anachronistischen Begriffs[***] verweist auf Krommingas Engagement als Intersex-Aktivistln. Die kritische Beschäftigung mit der Geschichte / den Geschichten der Intersexualität fließt mit Zitaten wie dem John Money zugeschriebenen „willst Du ficken oder gefickt werden?" in die Zeichnungen ein, hier ein Portrait von David Reimer, der als Säugling auf Anraten Moneys wegen eines verstümmelten Penis dem weiblichen Geschlecht zugewiesen worden war.[****] So entsteht zwischen der „leisen" und fragilen Oberfläche der Zeichnungen und den derben, provokativen Textzitaten ein Raum der Verunsicherung und der Selbstbefragung. Sowohl die Anrufung als Zwitter wie auch die Frage im zweiten Beispiel sind Mittel einer direkten Ansprache,die ausdrücklich eine Kommunikation mit den Betrachterinnen eröffnet.
Aus dem Katalog zur gleichnamigen Ausstellung 1-0-1 [one o one] intersex, 2005 „Schweigen = Verstümmelung“ von Nannah Lüth, Seite 34
*Fussnoten:
[*] Angesichts dieser Bezeichnungspraxis bietet sich ein Vergleich mit Aids (Acquired Immune Defficiency Syndrome) an, wozu Susan Sontag 1988 schrieb: „Dass Aids keine einzelne Krankheit ist, sondern ein Syndrom, bestehend aus einer schier endlosen Liste von kontribuierenden Leiden, die die Krankheit ausmachen (d.h. den Patienten als an Aids erkrankten definieren) macht aus Aids in höherem Maße ein Produkt der Definition oder Konstruktion als selbst eine so komplexe und formenreiche Krankheit wie Krebs. ... Der als Aids bekannte Zustand... ist keine Krankheit mit sozusagen natürlichen Grenzen. Es ist eine Krankheit, deren Identität konstruiert wird - zum Zwecke ihrer Erforschung, aber auch im Hinblick auf statistische Erfassung und Überwachung durch Gesundheits- und andere Behörden." Sontag 1989, S. 30 ff.
[**] Interessant sind in diesem Zusammenhang die Diskussionen, die um die Folterbilder aus Abu Graibh geführt wurden.
[***] Der Begriff wurde seit dem 13. Jahrhundert als Synonym für zweigeschlechtlich verwendet, setzte sich in dieser Bedeutung aber erst im 16. Jahrhundert durch.
[****] Vgl. Colapinto 2000 zu David Reimers Biografie.